Gastbeitrag

Qualifizierungen für digitale Schulentwicklung wirksam gestalten – Erfahrungen aus der Schulleitungsqualifizierung BD

von Fabio D’Addona, Johanna Engelhardt
veröffentlicht am 16.04.2026
Lesezeit: 5 Minuten

Wie können Schulleitungen in der Gestaltung ihrer digitalen Schulentwicklungsprozesse wirksam und nachhaltig unterstützt werden? Der Beitrag beleuchtet zentrale Erfolgsfaktoren wirksamer Qualifizierungen für schulische Führungskräfte auf Basis der Erfahrungen mit der Schulleitungsqualifizierung BD und der Erkenntnisse einer wissenschaftlichen Begleitforschung.

Nachhaltige Veränderungen in Schulen gelingen, wenn Leadership darauf ausgerichtet ist, gemeinsame Entwicklungsprozesse zu ermöglichen. Führung zeigt sich dabei insbesondere darin, gezielt Räume für Austausch, Reflexion und Zusammenarbeit zu schaffen, in denen Teams gemeinsam Lösungen entwickeln und Wissen teilen. Auf diese Weise entsteht eine Kultur der Zusammenarbeit, die Schulentwicklung wirksam trägt. Gerade im Kontext digitaler Transformation wird deutlich, dass Veränderungsprozesse dort an Dynamik gewinnen, wo Entwicklung partizipativ und ko-konstruktiv gestaltet wird.

Vor diesem Hintergrund hat das Forum Bildung Digitalisierung in Kooperation mit der Dieter Schwarz Stiftung und der Akademie für Innovative Bildung und Management Heilbronn-Franken gemeinnützige GmbH (aim) sowie der Wübben Stiftung Bildung und in engem Austausch mit Partner:innen in Landesinstituten und anderen Akteuren der schulischen Führungskräftequalifizierung die Schulleitungsqualifizierung BD entwickelt. Im Zentrum des Qualifizierungskonzepts „Digital Leadership und die Gestaltung schulischer Transformationsprozesse“ stehen die Reflexion eines veränderten Führungsverständnisses, Visionsarbeit, Haltung und die Gestaltung von Innovationsprozessen in einer Kultur der Digitalität. Von Beginn an wurde das Qualifizierungskonzept als offenes, adaptierbares Format angelegt. 

»Gerade im Kontext digitaler Transformation wird deutlich, dass Veränderungsprozesse dort an Dynamik gewinnen, wo Entwicklung partizipativ und ko-konstruktiv gestaltet wird.«

Fabio D’Addona und Johanna Engelhardt

Die Befähigung zur eigenständigen Umsetzung der Schulleitungsqualifizierung BD erfolgt über eine Train-the-Trainer-Qualifizierung. Hierbei wird den Teilnehmenden ein vertiefendes Verständnis für die Konzeption und Arbeitsweise der Schulleitungsqualifizierung BD vermittelt. Im Rahmen eines Lern- und Erfahrungsraumes können die Teilnehmenden Elemente des Konzepts ausprobieren und sich mit den zugrundeliegenden Ansätzen vertraut machen. Damit stärkt die Train-the-Trainer-Qualifizierung nicht nur den Transfer in staatliche Angebotsstrukturen, sondern auch den bundesländerübergreifenden Austausch, die professionelle Lerngemeinschaft und das Netzwerk von Anbietern digitalisierungsbezogener Schulleitungsqualifizierungen bundesweit. 

Um den Transferprozess der Schulleitungsqualifizierung BD besser zu verstehen, wurde das Programm wissenschaftlich begleitet. Die unter der Leitung von Prof. Dr. Nina Bremm an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg gewonnenen Erkenntnisse zeigen die Akzeptanz und Resonanz der Schulleitungen.

Mit partizipativen Gestaltungselementen aktiv Ownership stärken


Eine zentrale Erkenntnis aus den Erfahrungen mit der Schulleitungsqualifizierung BD ist die Bedeutung von geteilter Verantwortung für wirksame Schulentwicklung. Dort, wo Leadership nicht bei einzelnen Personen verbleibt, sondern bewusst in Teams angelegt wird, entstehen tragfähige Entwicklungsprozesse. Der gemeinsame Austausch, das Teilen von Wissen und das ko-konstruktive Arbeiten an Lösungen erweisen sich dabei als wesentliche Voraussetzungen für nachhaltige Veränderung.

Diese Haltung prägt die Schulleitungsqualifizierung BD in ihrer inhaltlichen Ausrichtung und ihrer konkreten Gestaltung. Ziel ist es, schulische Entwicklungsprozesse von Beginn an gemeinschaftlich anzulegen und Verantwortung nicht zu bündeln, sondern gezielt zu teilen.

»Ziel ist es, schulische Entwicklungsprozesse von Beginn an gemeinschaftlich anzulegen und Verantwortung nicht zu bündeln, sondern gezielt zu teilen.«

Fabio D’Addona und Johanna Engelhardt

Ein wichtiges Gestaltungselement ist dabei das Tandemprinzip: Schulleitungen nehmen nicht allein an der Qualifizierung teil, sondern gemeinsam mit mindestens einer weiteren Person, die aktiv in den schulischen Entwicklungsprozess eingebunden ist. Die im Tandem gewonnenen Impulse werden so bewusst in die Schule hineingetragen und Kolleg:innen frühzeitig in Veränderungsprozesse einbezogen. Auf diese Weise wird geteilte Verantwortung aufgebaut und kollektives Lernen gefördert. 

Inwiefern dieser Ansatz in der schulischen Praxis Resonanz findet, zeigen Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitforschung: 91 Prozent der qualifizierten Schulleitungen binden ihr Kollegium zu unterschiedlichen Graden in die Qualifizierungsmaßnahme ein – entweder einzelne Kolleg:innen oder auch das gesamte Kollegium (Bremm et al. 2025).

Durch zielgruppenspezifische und bedarfsorientierte Qualifizierungsangebote Praxistransfer sichern

Damit die im Rahmen der Qualifizierung gewonnenen Impulse tatsächlich Wirkung entfalten, setzt die Schulleitungsqualifizierung BD bewusst nicht auf vorgefertigte Blaupausen für Schulentwicklung. Stattdessen arbeiten Schulleitungen an konkreten Entwicklungsvorhaben ihrer eigenen Schule und an deren spezifischen Bedarfen. Leitbilder und Visionen entstehen dabei im Prozess und werden kontinuierlich weiterentwickelt.

Dieser enge Bezug zur eigenen Praxis erleichtert es den Teilnehmenden, die Impulse unmittelbar in ihre Schule zu tragen und auch über die Qualifizierung hinaus an ihren Entwicklungsvorhaben weiterzuarbeiten. Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitforschung zeigen, dass 85 Prozent der teilnehmenden Schulleitungen Inhalte, Methoden und Werkzeuge in ihre Führungsarbeit einbringen und für die Weiterentwicklung ihrer Schulen nutzen (Bremm et al. 2025).

Impulse zur Weiterentwicklung durch schulübergreifende Austauschformate fördern

Ein weiterer zentraler Baustein ist die Förderung schulübergreifenden Austauschs. Das Qualifizierungskonzept ermutigt Teilnehmende, sich über ihre Schule hinaus zu vernetzen, Projektideen zu reflektieren und voneinander zu lernen. Aus diesen Impulsen entstehen langfristige Austauschformate, die den Blick weiten, Resonanzräume schaffen und konkrete Entwicklungsprozesse unterstützen. Noch scheinen derartige Austauschformate jedoch ein Novum in entsprechenden Qualifizierungsmaßnahmen. 

Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitforschung zeigen, dass 79 Prozent der befragten Schulleitungen den Innovationsgrad der Qualifizierung als hoch bis sehr hoch bewerten. Besonders hervorgehoben werden die Vernetzung und der Austausch mit anderen schulischen Führungskräften (Bremm et al. 2025).

»Aus diesen Impulsen entstehen langfristige Austauschformate, die den Blick weiten, Resonanzräume schaffen und konkrete Entwicklungsprozesse unterstützen.«

Fabio D’Addona und Johanna Engelhardt

Länderspezifische Konzeptanpassungen durch Creative-Commons-Lizenzen ermöglichen

Das Qualifizierungskonzept der Schulleitungsqualifizierung BD wurde nach seiner Erprobung unter CC-BY-SA-4.0-Lizenz veröffentlicht. Diese Offenheit war eine bewusste Entscheidung: Sie ermöglicht es Akteuren in der Führungskräftequalifizierung in Strukturen der Bundesländer als auch anderen Anbietern von Schulleitungsqualifizierungen, das Konzept flexibel zu adaptieren, weiterzuentwickeln und an ihre spezifischen Rahmenbedingungen anzupassen.

In diesem Zusammenhang ist eine Vielfalt an länderspezifischen Umsetzungen entstanden. Diese Anpassungen haben wir auf Basis der Erkenntnisse aus Gesprächen, Rückmeldungen und inspirierenden Praxisbeispielen in einer Übersicht gebündelt. Das Dokument versteht sich als lebendiger Arbeitsstand, der Austausch ermöglicht, neue Perspektiven eröffnet und Mut macht, eigene Konzepte weiterzudenken.

Qualifizierung als Hebel für nachhaltige digitale Schulentwicklung – Gestaltung entscheidet über Wirkung

Digitale Schulentwicklung ist kein linearer Prozess und keine rein technische Frage. Sie verlangt von Schulleitungen, Entwicklungsprozesse zu orchestrieren, Beteiligung zu ermöglichen und zugleich strategische Entscheidungen zu treffen. Die Erfahrungen aus der Schulleitungsqualifizierung BD sowie Rückmeldungen der teilnehmenden Schulleitungen im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitforschung können als Hinweis darauf gedeutet werden, dass Qualifizierung insbesondere dann nachhaltige Wirkung entfaltet, wenn sie über reine Wissensvermittlung hinausgeht und Gestaltungsspielräume eröffnet.

Erfolgreiche Qualifizierungsformate scheinen sich dadurch auszuzeichnen, dass sie ko-konstruktiv angelegt sind, Verantwortung im Team stärken, Praxistransfer systematisch unterstützen und flexibel auf unterschiedliche schulische Kontexte reagieren.

Fabio D’Addona

Fabio D’Addona unterstützt seit April 2023 das Projekt Schulleitungsqualifizierung BD beim Forum Bildung Digitalisierung. Nach einem Bachelor in Betriebswirtschaftslehre studierte er den Master in Erwachsenenbildung/Lebenslanges Lernen an der Humboldt-Universität zu Berlin. Internationale Erfahrungen sammelte er 2018/2019 in Puebla, Mexiko, wo er sich im Rahmen eines Internationalen Freiwilligendienstes neun Monate in der Umweltbildung engagierte. Vor seinem Einstieg beim Forum hat er bei der Charité in der Hochschuldidaktik gearbeitet. Seine Ader für den Naturschutz lebte er zuvor beim Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) aus und bearbeitete dort die Themen Digitale Bildung, E-Learning und Ehrenamtskoordination.

Johanna Engelhardt

Johanna Engelhardt arbeitet seit April 2025 im Projekt Schulleitungsqualifizierung BD beim Forum Bildung Digitalisierung. Sie arbeitete zuvor für den Stifterverband, absolvierte ein Praktikum bei der Vodafone Stiftung Deutschland und sammelte zusätzlich erste Branchenerfahrungen beim EdTech-Startup Eddilake sowie der Bildungsorganisation beWirken. Nach ihrem Bachelor in Kultur- und Bildungswissenschaften an der Leuphana Universität Lüneburg, inklusive eines Auslandssemesters in Stockholm, studiert sie derzeit den Master „Digitale Bildung“ an der Universität Potsdam.

johanna.engelhardt@forumbd.de

Literatur

Bremm, N., Hugo, J., Assmann, C., Jesacher-Rößler, L. (2025): SLQ BD – Wissenschaftliche Begleitung Schulleitungsqualifizierung BD. Bericht zum Abschluss der wissenschaftlichen Begleitung (2023–2025)